Was ist eigentlich Web 2.0?

Tags bei FlickrOft ist im Moment von Web 2.0 zu lesen - es wird gefeiert und soll das “nächste große Ding” sein.
Aber was ist damit gemeint?
Dass es nicht um ein neues Internet geht, dass man beim Provider beantragen muss oder zu dem man sich neue Browser installieren muss dürfte den meisten klar sein, aber was versteckt sich hinter dem Begriff?


Der Begriff Web 2.0 wird Dale Dougherty vom O’Reilly-Verlag zugeschrieben und soll im Jahr 2004 im Verlauf der Planung einer Konferenz entstanden sein, um zu verdeutlichen, dass im Internet ein Umbruch stattfindet.
Die Nummerierung 2.0 erinnert an Versionen eines Programmes, wo eine neue Zahl vor dem Punkt eine komplett überarbeitete, neue Version bedeutet. “2.0″ soll also bedeuten, dass das Web im Vergleich zu bisher neu und überarbeitet sein soll.
Natürlich ist dieser Vergleich nicht ganz richtig, weil z.B. niemand eine alte Version abschaltet und sowohl die Definition als auch der Übergang sehr schleichend ist.
Er zeigt aber, welche Bedeutung man den Änderungen beimisst.

Definitionsversuche
Je nachdem, von welcher Seite man sich dem Phänomen nähert, definieren verschiedene Gruppen den Begriff aber jeweils anders.

Der Designer
Wenn Webdesiger über das Web 2.0 sprechen, meinen sie oft typische moderne Gestaltungsmerkmale - so z.B. abgerundete Kästen oder Farbverläufe im Hintergrund.
So eine Definition ist natürlich schnell hinfällig und sagt nichts über den Inhalt aus.

Der Programmierer
Programmierer meinen oft neue Techniken, die in der jüngsten Vergangenheit entstanden sind. So ist z.B. Googles Technik, bei der Eingabe eines Suchbegriffs sofort eine Liste mit populären Suchbegriffen einzublenden für viele eine Web 2.0 - Technik.
Diese Definition sagt auch nichts über Inhalte aus, bringt aber immerhin Techniken ins Spiel, die neue Strukturen erst möglich machen.

neue Strukturen, neue Nutzung
Der Umbruch, der für die Schöpfung des Namens den Ausschlag gab ist allerdings ein größerer: Es geht um die Nutzung des Internets in einem umfassenderen Sinne als bisher.

Ein typisches Merkmal des Web 1.0 war zum Beispiel die persönliche Homepage, die man sich anlegen konnte.
Im Web 2.0 betreibt man statt dessen ein Weblog, das nicht nur auf die einseitige Selbstdarstellung, sondern auf den Austausch und die Verknüpfung mit anderen ausgelegt ist.

“Früher” legte man sich seine Bookmarks im Browser an, Web 2.0 - Fans organisieren ihre Bookmarks online, versehen sie mit Schlagworten - sog. Tags - und stellen sie bei del.ico.us der Allgemeinheit zur Verfügung.
Diese Tags sind nicht - wie gewohnt - hierachisch geordnet, sondern werden von den Benutzern vergeben und ermöglichen einen anderen Zugriff auf Informationen.

Schon vor Jahren gab es mit der Encyclopaedia Britannica Online ein vom Verlag gepflegtes Online - klassisches Nachschlagewerk im Internet, heute gibt es mit der Wikipedia ein von den Benutzern gepflegtes Pendant.
Inhalte kommen nicht von einer Redaktion, sondern werden in der Öffentlichkeit diskutiert und können von jedem geschrieben, bearbeitet oder ergänzt werden

Ähnlich wie del.icio.us oder die Wikipedia gibt es eine Reihe von Diensten und Techniken, die alle dazu dienen, Angebote nicht nur für den einzelnen, sondern für alle Benutzer zur Verfügung zu stellen.
Typisch ist auch, dass nicht ein Anbieter über den Inhalt bestimmt, sondern dass nur ein Dienst, ein Programm zur Verfügung gestellt wird und der eigentliche Inhalt von den Benutzern kommt.

Zusammenfassend kann man also sagen, es geht um die Vernetzung von Inhalten. Der einzelnen Anbieter tritt weiter dabei in den Hintergrund, die Inhalte weiter nach vorne.

Kritik
Skeptiker suchen in all diesen Angeboten, die größtenteils kostenlos sind noch den Nutzen für die Betreiber, die schließlich ihre Zeit, ihre Arbeit und auch ihre Server und den Speicherplatz finanzieren müssen nach dem Geschäftsmodell.

Sicher ist aber, dass seit dem Abklingen des ersten großen Internet-Booms in der letzten Zeit so viele neue Ideen wie lange nicht mehr erschienen sind.

Weiterführende Informationen gibt es - natürlich - in der Wikipedia - dort wird auch ausführlicher auf verwendete Techniken eingegangen und man findet Links zu typischen Web 2.0 - Websites.

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5. August 2006 · Kategorie Was ist eigentlich...? ·



Eine Reaktion zu “Was ist eigentlich Web 2.0?”

  1. Alexander

    Glückwunsch zur Besprechung in der c’t. Hoffe, der Server ist gewappnet ;-)

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